Barrierefrei 2.0: Per App barrierefrei durch Deutschland

18. Februar 2013 | von

Für körperlich eingeschränkte Menschen wie etwa Rollstuhlfahrer gibt es im Alltag zahlreiche Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Ob nichtrollstuhlgerechte Gebäude oder das Fehlen von behindertengerechten Parkplätzen und WCs, Barrieren finden sich überall. Hier soll die moderne Technik jetzt helfen: Immer mehr Smartphone-Apps werden entwickelt, um Betroffenen das Leben zu erleichtern.

Die MyHandicap iPhone App zum Beispiel wendet sich speziell an Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und dadurch auf Informationen zur Barrierefreiheit angewiesen sind. Mithilfe der Handy-Applikation können einfach und schnell Fragen beantwortet werden wie: Wo befinden sich behindertengerechte Parkplätze in der Nähe? Welches Restaurant lässt sich mit dem Rollstuhl erreichen? Menschen mit Behinderung haben mit der App die Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen hinsichtlich der Barrierefreiheit eines Ortes einzubringen, sie der Datenbank hinzuzufügen und auf diese Weise am Wachstum des Adressbestandes mitzuwirken. So wird durch die Mithilfe aller die Quantität wie auch die Qualität des Angebots immer weiter verbessert.

Nutzer bewerten die Barrierefreiheit

Nutzer können Museen, Restaurants oder Bibliotheken über das Smartphone empfehlen und hinsichtlich der Barrierefreiheit bewerten. Praktisch ist dabei, dass die Adressdaten wie Straße und Postleitzahl nicht mühsam recherchiert werden müssen, sondern vom iPhone durch die automatische Standortlokalisierung über GPS automatisch erkannt werden. Barrierefreie Orte können gefunden werden, in dem übersichtliche Kategorien durchsucht werden: In Deutschland sowie der Schweiz findet sich eine Vielzahl von Einträgen aus Bereichen wie Freizeit & Sport, Gesundheit & Pflege oder Bildung & Beruf. Darüber hinaus bietet die Anwendung Features wie eine Auswahl nach Zugänglichkeit: Es kann gewählt werden zwischen den Attributen „Keine Einschränkung“, „Mindestens für Menschen mit Gehbehinderung bedingt geeignet“, „Mindestens bedingt rollstuhlgerecht“ und „Barrierefrei / Rollstuhlgerecht“.

Wheelmap-Mobile-App ist Vorreiter

Ein weiteres Projekt, das körperlich eingeschränkten Menschen bei der Bewältigung des täglichen Lebens hilft, ist wheelmap.org, 2010 ins Leben gerufen vom Verein Sozialhelden e.V.. Die Anwendung ist einfach zu bedienen und basiert auf einem Ampelsystem: Jeder kann Orte markieren und auf ihre Rollstuhltauglichkeit bewerten. So bedeutet Grün, dass ein Ort rollstuhlgerecht ist, rot markierte Gebäude sind es nicht. Ist eine Einrichtung gelb gekennzeichnet, erfüllt sie die Kriterien für Barrierefreiheit nur teilweise. Und auch für andere Arten von Behinderungen gibt es inzwischen Smartphone-Anwendungen, die Betroffenen im Alltag helfen, so etwa die Deutsche-Gebärdensprache-Reiseführer-App „Mit DGS durch Berlin“. Hier werden verschiedene Berliner Sehenswürdigkeiten kurz mit einem Video in Deutscher Gebärdensprache erklärt und zusätzlich allgemeine Tipps für Gehörlose gegeben. Geführt wird das Projekt von der „Kopf, Hand + Fuß gemeinnützige Gesellschaft für Bildung mbH“ und soll demnächst auf dem Markt erscheinen.

Themenmonat Barrierefreiheit 

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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