Bauen | Kampf gegen steigende Mieten Wie deutsche Städte die Mietpreise in die Höhe treiben

22. April 2013 | von

Experten fordern mehr Neubauprojekte, um Wohnungsmangel und steigenden Mieten in deutschen Metropolen entgegenzuwirken. Hier könnten vor allem Baugenossenschaften helfen, die Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern. Doch ausgerechnet die Städte selbst verhindern dies.

Häufig sind Wohnungen dort besonders teuer, wo es genügend Arbeitsplätze gibt und die Wirtschaft prosperiert, beispielsweise in München, Frankfurt oder Hamburg. Wer günstig wohnen will, muss wegziehen, entweder an den Stadtrand oder gleich in eine andere Stadt. Dabei gibt es durchaus Alternativen, wie etwa günstiger Wohnraum durch eine Wohnungsbaugenossenschaft. Gerade durch steigende Wohnpreise erscheinen Wohnungsbaugenossenschaften für viele eine lang ersehnte Möglichkeit, in ihrer Stadt wohnen zu bleiben.

Die Vorteile von Genossenschaften sind zahlreich. Von der Entkopplung von den steigenden Mietpreisen bis hin zur Tatsache, dass junge Familien, Alleinerziehende oder Senioren ohne Angst vor Rausschmiss so lange in ihrer Immobilie wohnen können, wie sie es selbst möchten – ohne sich dabei hoch zu verschulden. Niemand wird „herausgentrifiziert“, bei allen Entscheidungen besteht Mitspracherecht. Dieser Trend ist auch unlängst in der Gesellschaft angekommen: Die Genossenschaften werden derzeit überlaufen von zahlreichen Interessenten. Kommt etwa auch hier das Angebot der Nachfrage nicht mehr hinterher, wie es schon auf dem Mietwohnungsmarkt der Fall ist?

Was ist eine Wohnungsbaugenossenschaft und wie funktioniert sie?

Die Entstehung von Baugenossenschaften geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, wo die Wohnungsnot zeitweise sehr groß war und die Unterkünfte hygienisch oft unzureichend waren. Der Boom von Genossenschaften mit beschränkter Haftungspflicht begann dank entsprechender Gesetzgebung, so dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer regelrechten Gründungswelle kam, die auch als Bauhüttenbewegung bezeichnet wird.

Heute gibt es über 2.000 Baugenossenschaften in Deutschland, die über gut zwei Millionen Wohnungen verfügen und drei Millionen Mitglieder zählen. Grundprinzip ist die Selbstbestimmung der Mitglieder, die gemeinschaftlich den Bau planen und anschließend das Haus in Eigenregie verwalten.

Voraussetzung für die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft ist der Erwerb von Genossenschaftsanteilen, wobei sich deren Höhe nach der Wohnungsgröße richtet. Die Anteile sind zwar in der Regel höher als die normale Mietkaution, allerdings werden auch sie verzinst und beim Auszug zurückerstattet. In seltenen Fällen können die Geschäftsanteile einbehalten werden, wie etwa bei der Insolvenz der Genossenschaft oder bei anfallenden Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten in der Wohnung.

Zusätzlich dazu müssen die Mitglieder Miete zahlen, wobei die Genossenschaft selbst nicht auf Rendite aus ist und die Preise trotz oftmals guter Ausstattung in der Regel deutlich niedriger sind als bei vergleichbaren Wohnungen. Außerdem erhalten die Bewohner ein Wohnrecht auf Lebenszeit, was angesichts der Verdrängungspolitik in Großstädten zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Stadt verhindert günstigen Kauf von Bauland

Probleme haben Baugenossenschaften derzeit aber auch beim Erwerb von Bauland. Zahlreiche Städte verkaufen ihr Bauland an den meistbietenden Investor, statt es an gemeinwohlorientiert zu vergeben – gleichzeitig aber versuchen Politiker, mit Kappungsgrenzen und Zwangsvermietungen gegen die Wohnungsnot vorzugehen. Dabei wäre die Lösung offenbar simpel: Statt lediglich auf die Kaufsumme zu schauen, sollte auch die spätere Verwendung des Grundstücks berücksichtigt werden.

So kritisiert etwa der Verband der norddeutschen Wohnungsgenossenschaften (VNW) die Baulandvergabe in der Hansestadt Hamburg. Die hohen Mietpreise seien vor allem auf die hohen Baulandpreise zurückzuführen, sodass bei Neubauten erst ab 12,50 -13 Euro pro Quadratmeter schwarze Zahlen geschrieben werden können. Dabei wäre es der Stadt rein rechtlich möglich, die Grundstücke nach sozialen Gesichtspunkten zu vergeben. Derzeit bestehen in Hamburg etwa 20 Prozent des Hamburger Mietmarktes aus Wohnungsgenossenschaften, wobei die Mietpreise hier in der Regel unter den Durchschnittspreisen liegen und auch langsamer ansteigen.

Der Staat hat sich bereits aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen und zahlreiche Mietshäuser an Großinvestoren verkauft, bei denen vor allem die Rendite im Vordergrund steht. Über 600.000 Wohnungen waren in den letzten Jahren von einem solchen Verkauf betroffen. Wenn Baugenossenschaften beim Kauf von Bauland Steine in den Weg gelegt werden, wird sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt wohl kaum entspannen können.

Randbedingungen für Genossenschaften und günstigen Wohnraum schaffen

Damit der Trend in Richtung Baugenossenschaften nicht abbricht, sollten Staat und Bundesländer mehr tun, um Genossenschaften attraktiver zu machen und mehr Menschen einen Beitritt ermöglichen. Dies könnte durch das Verschenken oder das günstige Verkaufen von Grundstücken geschehen, oder etwa durch billigere Kredite. Außerdem sollte der Bund zuerst den Städten Grundstücke zum Verkauf anbieten, um dort den Neubau im mittleren und unteren Preissegment zu fördern. Denn bisher bereicherte sich das Bund vor allem an ärmeren Städten, indem er Höchstpreise verlangte, die sich nur ausländische Investoren leisten konnten, nicht aber die Stadt selbst. Und selbst wenn: Das Geschäft wäre durch den hohen Kaufpreis nur dann rentabel, wenn auf dem Bauland Luxuswohnungen entstehen würden.

Wie deutsche Städte die Mietpreise in die Höhe treiben , 5.0 out of 5 based on 1 rating

Artikel bewerten und teilen:
VN:F [1.9.19_1165]
1
Dieser Beitrag wurde unter Bauen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.