Immobilienmarkt | Leerstand in Berlin geht weiter zurück Wohnungsnot in Berlin: Leerstand erreicht ein historisches Tief

15. Mai 2013 | von

Steigende Einwohnerzahlen bei einer gleichzeitig geringen Anzahl an Neubauprojekten führt in Berlin bereits seit Jahren zu einem starken Anstieg der Mieten. Folglich hat nun auch der Leerstand in der Hauptstadt ein historisches Tief erreicht. Der Mangel an Wohnraum führt auch dazu, dass die Berliner weniger oft umziehen. Denn: eine neue Bleibe ist in der Regel schwer zu finden, teurer und oftmals weit weg vom gewohnten Kiez.

Die Zahl der verfügbaren Wohnungen ist bei den 143 Mitgliedern des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), denen etwa 40% der Mietwohnungen in Berlin gehören, im Jahr 2012 auf 2,3 Prozent gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit fast 20 Jahren. Zum Vergleich: 2007 standen noch 5,1 Prozent der Wohnungen leer. In begehrten Stadtteilen ist die Quote bereits unter 1,5 Prozent gefallen. Sogar in den Berliner Randbezirken, die lange über einen recht hohen Leerstand verfügten, spitzt sich die Lage langsam zu. Insgesamt habe der Leerstand in Berlin den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren erreicht, so BBU-Chefin Maren Kern.

Die Leerstandsquote sagt aus, wie begehrt Wohnraum in bestimmten Städten oder Stadtteilen ist. Eine Quote von bis zu 2 -3 Prozent ist durchaus normal, da auch Wohnungen, die bereits vermietet sind, wo der Mieter aber noch nicht eingezogen ist, mitgerechnet werden. Auch Wohnungen, die saniert, renoviert oder gerade erst vermietet werden, zählen dazu. An München (Leerstand von 1,6 Prozent) und an Hamburg (0,9 Prozent) wird deutlich, welche Ausmaße die Wohnungsnot derzeit in vielen deutschen Großstädten angenommen hat.

Leergefegter Wohnungsmarkt in der Innenstadt führt zu Boom in Randbezirken

In Friedrichshain, ein seit Jahren beliebter Stadtteil in zentraler Lage, ist der Leerstand 2012 zwar nur um 0,6 Prozent zurückgegangen, allerdings ist hier kaum noch Spielraum: Es stehen nur noch 1 Prozent der Wohnungen leer. Ähnlich sieht es etwa in Hohenschönhausen (Rückgang um 0,3 auf 1 Prozent), Charlottenburg und Wilmersdorf aus (Rückgang um 0,1 auf 1,2 Prozent). Spitzenreiter beim Abbau von Leerstand ist somit Hellersdorf, obwohl der Bezirk nicht gerade als beliebte und attraktive Wohngegend gilt: Die Leerstandsquote ist 2012 um 1,8 Prozent auf 2,2 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Bestandsmiete bei den BBU-Wohnungen durchschnittlich um 2,4 Prozent gestiegen. Die Preise für die oftmals deutlich höheren Neuvermietungen legt der BBU allerdings nicht offen.

Neubauprojekte sollen Abhilfe schaffen

Um die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zu verbessern, wollen die BBU-Mitgliedsunternehmen ihre Neubauinvestitionen auf fast 200 Millionen Euro vervierfachen. Bis 2020 sollen mehr als 10.000 Mietwohnungen errichtet werden. Laut BBU-Chefin Kern müssten allerdings die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte verbessert werden, damit mehr gebaut werden könne.

Kern befürwortet auch die dichtere Besiedlung des Stadtgebiets und den Bau von Hochhäusern. Auf dem Tempelhofer Feld etwa sollen nach aktuellen Plänen 4.000 Wohnungen entstehen, dabei könnten problemlos 10.000 Wohnungen dort errichtet werden. Außerdem müssten den Genossenschaften mehr Grundstücke zur Verfügung gestellt sowie mehr Mitarbeiter in der Bauverwaltung beschäftigt werden, damit die Anträge schneller genehmigt werden können.

Wohnungsnot macht Berliner sesshafter

Wegen der Wohnungsknappheit sind die Berliner, die sonst zu den umzugsfreudigsten Menschen in Deutschland zählten, sesshafter geworden. Die Fluktuationsquote hat mit sieben Prozent den niedrigsten Stand seit ihrer ersten Erhebung erreicht und liegt sogar unter dem Bundesdurchschnitt von 8,8 Prozent. 2011 waren es in Berlin noch 8 Prozent, was ungefähr 10.000 Wohnungskündigungen weniger im letzten Jahr bedeutet. In den innerstädtischen Bezirken liegt die Quote sogar nur bei etwa 5 Prozent.


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