Immobilienmarkt | Wohnungsleerstand Entgegen des allgemeinen Medientenors: Wohnungsleerstände werden bundesweit zum Problem

5. Juli 2013 | von

Insbesondere in vielen kleineren, eher strukturschwachen Städten und Landkreisen Deutschlands werden Leerstände auf dem Wohnungsmarkt gleichermaßen zum Problem für Gewerbetreibende und Eigentümer. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesbauministeriums, die der „Welt“ vorliegt. Gut ein Viertel aller Landkreise seien betroffen.

Ganz im Gegensatz zu Großstädten wie Berlin, München oder Hamburg, führten Faktoren wie Abwanderung, Überalterung und steigende Arbeitslosigkeit in zahlreichen Regionen zu entsprechenden Schrumpfungsprozessen, die sich auch auf die Mieten auswirkten. „Für Einzeleigentümer von Immobilien ebenso wie für wohnungswirtschaftliche Unternehmen stellen hohe oder zunehmende Wohnungsleerstände in wirtschaftlich schwächer aufgestellten Regionen zentrale Probleme dar“, heißt es in der Studie, die Wissenschaftlicher des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung im Auftrag des Bundesministeriums erstellt haben.

Leerstände birgen Risiken für Privatpersonen und Kommunen

Doch unter dieser stellenweise heiklen Situation leide nicht nur der Markt für Mietwohnungen, besonders der Verkauf von Immobilien werde in diesen Gebieten immer schwieriger: „So können Käufer gänzlich ausbleiben oder die für die Altersvorsorge erwarteten Erlöse aus dem Verkauf nicht erzielt werden.“ Dabei bedeuteten leer stehende Gebäude oftmals auch negative Auswirkungen auf das Wohnumfeld und das gesamte Ortsbild, so die Wissenschaftlicher weiter.
Vor allem stagnierende oder nur leicht steigende Angebotsmieten prägten in diesen Regionen das Bild. Eigentümer sowie Kommunen stehen hier angesichts leerer Kassen vor immanent anderen Herausforderungen als Städte, in denen Wohnraum knapp werde.

Ramsauer erkennt Problem

Bundesminister Raumsauer (CSU) äußerte sich gegenüber der „Welt“, besorgt von diesen Entwicklungen, folgendermaßen: „Wir haben in Deutschland auch Regionen, in der Leerstand von Wohnungen zunimmt. Das liegt am Rückgang der Bevölkerung, an der Demografie“. Abhilfe verspricht sich der Minister unter anderem vom Städtebauförderungsprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden“, für das Ramsauer 2013 insgesamt 55 Millionen Euro bereitstellt: „Damit werden ganz gezielt über 550 Kommunen bei der Erhaltung und Anpassung ihrer Infrastruktur unterstützt“.

Kritik an Medienberichterstattung

Entgegen vieler Medienberichte der vergangenen Jahre, in denen nicht selten von Mietpreissteigerungen von bis zu 50 Prozent die Rede war, konstatiert die Studie jedoch auch: „Mietpreissteigerung […] sind kein Massenphänomen“. Kritik üben die Wissenschaftler deshalb vor allem an einer eher verzerrenden Berichterstattung, die die Mietentwicklungen der weiter zurückliegenden Jahre „etwas aus dem Blick“ verloren habe. So seien erst seit 2008 leichte nominale Steigerungen sichtbar. Insgesamt lägen auch dieser Tage die bundesweiten Mietsteigerungen „noch unter der Inflationsentwicklung“.


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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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