Halb gedämmt, ist doppelt gespart

12. September 2014 | von

Nachdem die Dämmung von Häusern als Allheilmittel für Klima und Geldbeutel angepriesen wurde, gibt es nun gegenteilige Stimmen. An diesem Streitthema zeigt sich, dass man alles hinterfragen sollte und sich das Mittelmaß oft als der richtige Weg erweist.

Die Bundesregierung setzt für ihre Energiewendeunter anderem auf die energetische Sanierung von Häusern – vor allem auf eine komplette Fassadendämmung. Nach neuen Erkenntnissen sind diese allerdings weder wirtschaftlich noch tragen sie in absehbarer Zeit zu den gewünschten Verbesserungen für das Klima bei.

Die Energiesparverordnung sieht vor, dass Häuser komplett gedämmt werden. Davon wird derzeit aus verschiedenen Richtungen abgeraten. Es sei nur sinnvoll die komplette Hausfassade zu dämmen, wenn diese eh erneuert werden soll. Das Dämmmaterial Styropor birgt einige Risiken. Zum einen steigt das Risiko für Schimmelbefall bei nachträglich gedämmten Häusern erheblich, zum anderen ist Styropor leicht entflammbar und wird somit zum Sicherheitsrisiko. Die Widerstandsfähigkeit von Styroporfassaden lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Steine oder Bälle können leicht Schäden verursachen. Deshalb raten Experten davon ab, die unteren Etagen auf mit Styropor zu dämmen.

Was Hausbesitzer besonders interessiert ist der Aspekt der Rentabilität. Neuen Berechnungen zu folge sind die Kosten für eine nachträgliche Dämmung so hoch, dass sie sich erst nach 50 bis 60 Jahren rechnen würden. Da Styropor allerdings keine so lange Halbwertzeit hat, ist eine Dämmung in den meisten Fällen nicht rentabel. Derzeit würde außerdem häufig mit bis zu 30 cm dicken Styroporplatten gedämmt, bei 12 bis 20 cm sei das Einsparmaximum aber schon erreicht, so die Angaben verschiedener Verbände.

Berechnungen eines Architekten im Lahn-Dill-Kreis haben außerdem ergeben, dass sich eine Mischung aus guten Heizsystemen und sinnvoll eingesetzter Dämmung viel mehr auszahle als die komplette Fassadendämmung, wie sie in der Energiesparverordnung gefordert wird. Er erreichte eine erhebliche Verbesserung der Energiebilanz mit der Dämmung des Daches und einer neuen Heizung. Die Dämmung des ganzen Hauses hätte zwar erhebliche Kosten verursacht, allerdings nur eine Kosteneinsparung von 700 Euro im Jahr erbracht. Im Lahn-Dill-Kreis wurde auf Grundlage dieser Berechnungen die Dämmpflicht ausgesetzt. Anderorts ist es bei nachgewiesener Unwirtschaftlichkeit möglich durch Antrag des Architekten die Dämmvorschrift zu umgehen.

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Über Sabine Wagner

Sabine Wagner ist Mitglied der immobilo-Redaktion
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